Ein Flügel geht auf Reisen

Was hinter den Kulissen der Kulturlaube Sempach so alles passiert…

Auch während der Sommerpause der Kulturlaube Sempach ist hinter den Kulissen einiges in Bewegung. So befindet sich der Pleyel-Konzertflügel des Salons derzeit in Revision bei Klavierbauer Nik Rindlisbacher in Altbüron. Der Fachmann dokumentiert die Arbeiten sorgfältig, sodass auch unsere regelmässigen Konzertbesucherinnen und -besucher einen spannenden Einblick in die aufwendige Restaurierung erhalten.


Ende Mai wurde der Flügel abgeholt.

Im Juni begann Nik Rindlisbacher mit dem Ausmessen des Instruments, dem Bestellen der benötigten Ersatzteile und dem sorgfältigen Zerlegen des Pleyel-Flügels.

Zunächst wurde der Flügeldeckel entfernt, anschliessend folgte die Demontage der Dämpfer. Sowohl die Filze als auch die Drähte werden ersetzt.

Im Juli stand das Besaiten des Blankbezuges an. Bis zu diesem Arbeitsschritt waren zahlreiche Vorarbeiten erforderlich: Der Flügel wurde vollständig zerlegt, wobei insbesondere die Begrenzung der schwingenden Saiten sowie der Saitendruck auf den Resonanzboden überarbeitet wurden.

Der blanke Saitenbezug wurde entfernt und sorgfältig vermessen, um die Mensur hinsichtlich ihrer Auslastung zu überprüfen. Anschliessend wurden auch die Basssaiten behutsam entfernt. Mit einer langsam laufenden Getriebe-Bohrmaschine konnten danach die Stimmwirbel herausgedreht werden. Dieses Vorgehen muss mit grosser Sorgfalt erfolgen, damit sich die Stimmwirbel kaum erwärmen und der empfindliche Stimmstock geschont wird.

Mithilfe eines Werkstattkrans wurde die schwere Gussplatte ausgebaut. Dadurch konnten die Stege überarbeitet und der Resonanzboden mit einer speziellen Politur für ältere Lackierungen aufgefrischt werden. Gleichzeitig wurden die Agraffen erneuert und präzise ausgerichtet, da die bisherigen durch die jahrelange Beanspruchung stark abgenutzt und von den Saiten eingedrückt waren.

Auf dem folgenden Bild ist gut zu erkennen, wie die neuen Stege bearbeitet und neu bestiftet werden. Der kurze Basssteg im unteren Bildbereich wartet noch auf seine Überarbeitung.

Ein weiterer wichtiger Arbeitsschritt ist die Justierung des Resonanzboden-Drucks. Dieser hatte sich im Laufe der Jahrzehnte verändert. Deshalb musste die Gussplatte im Bassbereich um zwei Millimeter abgesenkt werden, damit der notwendige Druck wieder gleichmässig vorhanden ist. Da die Gussplatte im Bereich der Saitenauflage sehr uneben war, wurde sie zusätzlich mit Pressspan sorgfältig ausgeglichen.

Schliesslich präsentierte sich die fertig garnierte Gussplatte wieder in neuem Glanz.
Auch der Dämpferrechen erhielt eine neue Garnierung aus hochwertigem Kasimirfilz.

Als Saitenauflage vor den Stimmwirbeln wurde ursprünglich ein Kunststoff mit dünner Filzauflage verwendet. Im Laufe der Jahre hatten die Saiten tiefe Kerben in das Material gedrückt, wodurch der Kunststoff riss. Die Saiten konnten dadurch nicht mehr frei gleiten, was zu Blockierungen führte und das Stimmen des Flügels erheblich erschwerte.

Links auf dem nachfolgenden Bild ist der neue, bereits zugeschnittene Saitenauflagefilz zu sehen. Es handelt sich um ein besonders robustes Material, das unter anderem auch bei Flügeln von Steinway & Sons, Bösendorfer und Yamaha verwendet wird.

Die Arbeiten am Pleyel werden die Sommermonate über weitergeführt. Bei Nik Rindlisbacher ist der Flügel in erfahrenen, präzisen und versierten Händen. Schritt für Schritt entsteht so aus einem vollständig zerlegten Instrument wieder ein Konzertflügel, der den Besucherinnen und Besuchern der Kulturlaube Sempach viele weitere unvergessliche Musikerlebnisse schenken wird.

Wir freuen uns schon jetzt darauf, den Pleyel nach seiner Rückkehr wieder in unserem Salon erklingen zu lassen!